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Fakten zum neuen Grundschulgebäude

1. Hintergrund & Entscheidungsprozess

  • Ursprünglich wurde 2021 der Bau einer zweiten, eigenständigen Grundschule an einem geeigneten Standort in Dissen von der Verwaltung vorgeschlagen.
  • In einem Workshop 2022 mit Ratsvertretern, Schulleitungen und Verwaltung wurde dieser Plan verworfen; stattdessen wurde eine Erweiterung der bestehenden Grundschule durch ein zweites Gebäude auf dem Schulgelände beschlossen.
  • Ein Architektenwettbewerb und mehre anschließende Gesprächskreise mit Verwaltung, Lehrer:innen, Elternvertreter:innen und dem siegreichen Architekturbüro führten schließlich zum Ergebnis einer 1-Gebäude-Lösung in Form einer sechszügigen Grundschule in einem dreigeschossigen Bau, womit die Räume des Altbaus künftig der Hermann-Freye-Gesamtschule zur Verfügung stehen sollen.

2. Unsere Kritikpunkte

a) Grundsätzliche Bedenken

  • Die finanzielle Situation unserer Stadt ist prekär! Es droht, laut Kommunalaufsicht des Landkreises, der Eintritt in eine Schuldenspirale.
  • Können und dürfen wir dann überhaupt noch unsere „freiwilligen Leistungen“ weiter betreiben, wenn wir diesen geplanten Schulbau in die Tat umsetzen?
    • Hallenbad
    • Stadtbücherei
    • Jugendzentrum
    • Unterstützung von Sport-, Schützen- und karikativen Vereinen
    • Umweltzentrum Noller Schlucht
  • Die Entwicklung der Schülerzahlen ist volatil. Wir befinden uns voll in der Beinschere zwischen Geburtenrückgang und Entwicklung auf dem HOMANN-Areal.
  • Wer oder was treibt uns zu dieser Eile? Sollten wir nicht erst substantielle, ergiebige Fördermittel generieren, bevor wir uns in ein solch großes Abenteuer stürzen?
  • Eine skeptische Frage geht auch an die Hermann-Freye-Gesamtschule: Wie wird sich die Oberstufe entwickeln? Die momentanen Schülerzahlen geben Anlass zur Sorge.
  • Kurz: Da ist doch die Frage, ob so ein großes Schulgebäude Sinn macht und ob wir es uns überhaupt leisten wollen und können?!

b) Pädagogische und sozialpädagogische Bedenken

  • Die Niedersächsische Schulverordnung sieht für Grundschulen maximal eine Vierzügigkeit vor. Denn:
  • Große Schulen führen laut Studien zu:
    • Schlechterem Lernerfolg
    • Unpersönlichkeitstendenzen und fehlender Identifizierung mit der Schule
    • Weniger Zufriedenheit bei Schülern
    • Mehr Schulversagen und Verhaltensauffälligkeiten
    • Vernachlässigung stiller Kinder, schlechterer Inklusion von Kindern mit Förderbedarf oder Migrationshintergrund.
  • Es wurde von Wir für Dissen mehrmals und hinlänglich fachlich darauf hingewiesen, dass eine nunmehr geplante sechszügige Grundschule für Dissen entwicklungspsychologisch und lernpädagogisch mindestens eine das Kindeswohl einschränkende Bildungseinrichtung darstellt.

c) Fachliche päd. Einschätzungen

  • Die inzwischen pensionierte Schuleingangsdiagnostikerin Frau Dr. Tasche (Dipl.-Psych.) vom Gesundheitsamt Osnabrück favorisiert eindeutig kleinere Schulformen.
  • Herr Nesslage vom Landesschulamt Osnabrück (RLSB) hält die aktuelle Größe für nicht regelkonform, aber der Schulträger ist ja nun mal die Kommune.
  • Aufgrund meiner Fachkerntnisse als Erziehungswissenschaftler und Dipl.-Päd. habe ich mich vehement für eine Entzerrung und Verkleinerung von Standorten, also für kindegerechte, nachhaltige und bildungspolitisch vertretbare Grundschule für Dissener Schulkinder eingesetzt.
  • Kurz: Es ist eigentlich unsere Verpflichtung, als Schulträger für eine bestmögliche lernpädagogische und entwicklungspsychologische Förderung aller Dissener Grundschulkinder Sorge zu tragen. Eine fünf- oder gar sechszügige Grundschule in 1 Gebäude an dem geplanten Standort kann das nicht leisten.

d) Standortkritik

  • Das Gelände „Apfelwiese/Alter Teich“ ist räumlich beengt (wenig Schulhof, angrenzende Nachbarn).
  • Das einhäusige Gebäude als fünfzügige/sechszügige Grundschule gilt nach heutigen Standards als pädagogisch nicht zielführend und wenig kindgerecht.
  • Die eigentlich geplante und versprochene „Entzerrung“ wird faktisch nicht umgesetzt – stattdessen wird weiter verdichtet.

3. Schlussfolgerung & Appell

  • Aufgrund der fiskalen Situation unserer Stadt muss eine finanziell verträglichere Lösung für die Umgestaltung und Entzerrung der Grundschule her!
  • Wir warnen vor einem „Bildungsmoloch“ mit bald an die 1.500 Schüler*innen am jetzigen Standort. Wir fordern:
    • eine Abkehr vom Bauentwurf der sechszügigen Grundschule in 1 Gebäude
    • eine Umsetzung einer echten Entzerrung zum Wohle der Dissener Grundschüler
    • mehr Beziehungsarbeit statt Verwaltung von Massen
  • Abschließender Appell: Ein pädagogisch sinnvolles Konzept würde auch die Lehrergesundheit verbessern, den Spaß an der Arbeit fördern und somit indirekt auch den Lernerfolg der Kinder.

 

HAR, 14.08.2026